| Terror
im Ferienparadies Kuta/Singapur
(dpa) - Von einer Sekunde auf die nächste war nichts mehr übrig von der ausgelassenen,
feuchtfröhlichen Urlaubslaune, die sonst die Amüsiermeile Jalan Legian in Kuta
prägt. Wo sich jede Nacht Taxis entlang Dutzender Bars, Discotheken und Kneipen
stauen, herrscht nur noch blankes Entsetzen, Köperteile und Leichen liegen über
die Bürgersteige verstreut. "Es war eine mächtige Explosion", berichtet Ketut
Putra, der in Kuta lebt. "Als ich sie hörte, bin ich aus dem Haus gelaufen und
habe Leute gesehen, die schrien: "Eine Bombe, eine Bombe!" Niemand hatte im Entferntesten
vermutet, die "Insel der Götter" könnte jemals zum Terrorziel werden. Bis zu zwölf
Kilometer entfernt seien die Explosionen zu hören gewesen, berichtet ein Reporter
der Zeitung "Jakarta Post". Dicke Mauern zeigen nach der Detonation Risse, Dutzende
Fensterscheiben sind zerborsten, die populären Nachtclubs "Sari Club" und das
benachbarte "Paddy's" brannten lichterloh, Autos fingen Feuer. Nur einige hundert
Meter entfernt erlebt der neuseeländische Kamermann Richard Poore das Inferno
mit: "Die Fenster in unserem Hotel flogen raus, in den oberen Geschossen gab es
keine Wände mehr, und der Himmel war von einer unglaublichen Menge Rauch gefüllt",
sagte er der britischen BBC. Zunächst konnte nur gerätselt werden, wer die Insel
mit ihren schneeweißen Stränden in eine Feuerhölle verwandelte. Als
erster spricht Australiens Außenminister Alexander Downer von einem Terroranschlag,
der gezielt gegen westliche Touristen gerichtet gewesen sei. In der Tat: Wer möglichst
viele Urlauber treffen wollte, musste sich den "Sari Club" als Terrorziel aussuchen.
Auch einen Verdächtigen nennt der Außenamtschef in Canberra schon: Die radikale
Moslemorganisation Jemaah Islamiyah. "Es ist nicht die einzige Organisation in
Indonesien, über die wir besorgt sind, aber es ist diejenige, die uns am meisten
Sorgen bereitet." Eine Gruppe, die "gewiss" Verbindung zum Terrornetzwerk El Kaida
habe. Immer wieder war es in den vergangenen Monaten zu anti- amerikanischen und
anti-westlichen Protesten in der indonesischen Hauptstadt Jakarta gekommen, vor
allem nach dem Militärschlag gegen Afghanistan im Oktober vorigen Jahres. Auch
zogen mehrfach Mitglieder einer radikalen islamistischen Gruppe in ihrem selbst
erklärten Kampf gegen westliche Dekadenz durch Kneipen, um Kunden zu verprügeln
oder das Mobiliar kurz und klein zu schlagen. Im September schloss die US- Botschaft
für eine Woche aus Angst, zum Anschlagsziel zu werden. Zugleich hatte die indonesische
Regierung immer wieder betont, keine Hinweise auf terroristische Aktivitäten zu
haben. Gruppen wie die Jemaah Islamiyah oder Laskar Dschihad, die ihre Mitglieder
in den Kampf gegen die christliche Bevölkerung auf den Molukken-Inseln schickte,
wurden nicht als Risiko betrachtet, zumindest nicht für westliche Ausländer. Denn
tatsächlich praktiziert die überwältigende Mehrheit in dem nach der Bevölkerungszahl
größten moslemischen Land der Erde eine äußerst moderate Form des Islam. Doch
hatten die USA gleich nach den Terroranschlägen des 11. Septembers 2001 ganz Südostasien
ins Visier genommen. Nicht nur entsandte Washington Truppen, um philippinische
Soldaten im Kampf gegen die Moslemgruppe Abu Sayyaf zu trainieren. Zugleich will
die einzige Supermacht der Erde wieder die militärische Zusammenarbeit mit Indonesien
aufnehmen - im Kampf gegen den Terrorismus. 50 Millionen US-Dollar sollen Indonesien
zudem bereitgestellt werde, kündigte Außenminister Colin Powell bei einem Besuch
in Jakarta vor zwei Monaten an. "Wir versuchen, Präsidentin Megawati und den Streitkräften
dabei zu helfen, dieser Bedrohung zu begegnen", sagte er. Möglicherweise, so scheint
es nun, kam die Hilfe zu spät. (Quelle: www.yahoo.de) | | Indonesien
trauert nach Bali-Anschlägen um verlorenes Paradies (Reuters)
- Ob Künstler oder Holzschnitzer, Kellner oder Taxifahrer: Auf der vormals so
lebensfrohen Insel Bali trauern alle um ihr verlorenes Paradies. Während der Rest
des größten moslemischen Landes der Welt in seiner jüngeren Geschichte immer wieder
von Gewalt erschüttert wurde, erschien das hinduistisch geprägte Bali wie eine
Insel der Glückseligen. Das hat sich mit den Anschlägen vom Samstag grundlegend
geändert. Unsicherheit macht sich breit. Wenn selbst Bali nicht mehr sicher ist,
wo kann man sich überhaupt noch sicher fühlen, fragt sich nun so mancher Indonesier
bange. "Es bricht mir das Herz. Ich bin so traurig darüber," sagt Ronny Elimin,
der in einer Werbeagentur in der indonesischen Hauptstadt Jakarta arbeitet. Er
ist auf dem Weg zur Arbeit, an diesem Montag nach dem Bombenattentat bei dem 183
Menschen starben, die meisten von ihnen junge Ausländer. Wie
die New Yorker nach den Anschlägen vom 11. September 2001, sprechen die Einwohner
Jakartas auf Balis großer Nachbarinsel Java von Angst, tiefer Traurigkeit, Verletzbarkeit
und dem Gefühl, dass das Leben nicht mehr so sein werde wie zuvor. Cindy Robertha,
eine 26-jährige Hochschulabsolventin, blickt ängstlich in die Zukunft. Indonesien
hatte sich in den vergangenen Jahren allmählich von der Asienkrise erholt. Die
Chancen standen damit besser für junge Arbeitssuchende wie die 26-Jährige. "Ich
glaube, das Land bricht nun zusammen. Ich fühle mich nicht mehr sicher", sagt
Cindy.
Bei einigen ihrer Landsleute ist die Angst schon in Wut umgeschlagen. Sie erwarten
von den Behörden, die schon von anderen asiatischen Staaten wegen ihrer angeblichen
Duldsamkeit gegenüber militanten Islamisten kritisiert wurden, dass die Täter
zur Rechenschaft gezogen werden. "Wir wollen wissen, wer verantwortlich für diese
teuflische Tat ist. Die Polizei muss sofort handeln," sagt der Geschäftsbesitzer
Jacky Susanto. Der Kellner Made Lata Suvawa rechnet nach den Anschlägen mit weitreichenden
Folgen für die Insel: "Seit dem Zweiten Weltkrieg gab es hier keine ernsthaften
Problem für Touristen," sagt der 26-Jährige. "Wir sind hart getroffen worden.
Ich habe Angst, dass noch mehr Bomben folgen könnten, und dass andere Länder von
Reisen nach Bali abraten." (Quelle:www.yahoo.de) top |